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Direktvergleich: 3M Peltor ComTac 3 vs. MSA Sordin Supreme

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Famas
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Direktvergleich: 3M Peltor ComTac 3 vs. MSA Sordin Supreme

Beitrag von Famas » Fr 21. Nov 2014, 19:41

3M Peltor ComTac 3

versus

MSA Sordin Supreme Pro IV
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Da sich für mich grade die Gelegenheit ergeben hat und ich zufällig grade beide Modelle hier bei mir habe, dachte ich es wäre eine gute Idee mal wieder ein kleines Review zu verfassen und Euch beide Geräte vorzustellen.
Natürlich ist es eher ungewöhnlich, so viel Geld für ein Headset auszugeben, welches nur an einer handvoll Gelegenheiten im Jahr Verwendung findet - darüber hinaus geprägt durch den Fakt, dass die beim Airsoft und Paintball verwendeten Funkgeräte grademal einen Bruchteil kosten.
Um mal Zahlen zu nennen: Beide Geräte kosten neu im Einzelhandel jeweils um die 600 Euro.
Gebraucht und aus Militärbeständen sind die Headsets ab 300 Euro auf den bekannten Auktionsseiten zu ergattern.

Gleich vorweg: Beide Geräte sind Originale. Ich habe nie Nachbauten wie von Z-Tactical o.ä. besessen und kann daher leider keinen Vergleich zwischen Fake und Original ziehen.

Sowohl das MSA als auch das Peltor sind zumindest vom Look her weithin bekannt, nicht zuletzt weil sie in zahlreichen Armeen der Welt mittlerweile Einzug gefunden haben und zur Standard-Ausrüstung vieler Einheiten gehören.


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Was ist eigentlich ein aktiver Gehörschutz?

Ein Kapselgehörschutz (oder im Volksmund "Mickey Maus") schützt, wie der Name schon sagt, das Gehör vor jeglicher Art von schädlicher Geräuscheinwirkung.
Während ein normales Gespräch einen Schalldruck von etwa 40-60 Dezibel (dB) erreicht, liegt die Schmerzgrenze für das Gehör bei etwa 130 dB. Bei einer dauerhaften Einwirkung von etwa 80 dB kann das Gehör bereits irreparable Schäden davontragen.
Militärisch ergibt sich die Notwendigkeit von einem Gehörschutz durch den Schießbetrieb. Bei einem Gewehrschuss aus einem normalen Sturmgewehr entsteht ein Schalldruck von 140 Dezibel. Bei größeren Kalibern aus Handwaffen oder gar Geschützen von Panzern natürlich entsprechend mehr.
Ohne Schutz ist so ein Pegel natürlich sehr schnell schädlich und führt zu dauerhaften Schäden am Gehör, bis hin zu chronischem Tinnitus oder Hörsturz. Daher gebietet zum einen der gesunde Menschenverstand, als auch die gesetzlichen Vorschriften zum Arbeitsschutz die Verwendung von entsprechenden Schutzmaßnahmen.
Nun ist ein Kapselgehörschutz in der infanteristischen Anwendung meist nicht sehr vorteilhaft, da eine wesentliche Komponente der militärischen Führung die Kommunikation ist, welche durch einen Gehörschutz natürlich stark eingeschränkt wird.

Aus dieser Problemstellung heraus haben diverse Firmen die technischen Möglichkeiten genutzt und aktive Gehörschutzsysteme entwickelt.
Diese funktionieren alle gleich und prinzipiell folgendermaßen:
Die Kapsel mit ihrer Isolierung dämmt alle Außengeräusche um 10 bis 35 dB (je nach Modell) vor dem Ohr ab. Damit man aber trotzdem noch hören kann, was um einen herum so geschieht, kommt nun die Elektronik ins Spiel. In jeder Kapsel befindet sich neben der notwendigen Stromversorgung (Batterie) ein kleines Mikrofon, ein bisschen Elektronik und ein oder mehrere Lautsprecher.
Das Mikrofon nimmt die Geräusche von außen auf und leitet sie an die Lautsprecher im Inneren weiter. Die Elektronik auf der Platine sorgt dafür, dass nur Geräusche unterhalb einer bestimmten Schalldruckgrenze ans Ohr geleitet werden.
Somit ist es möglich, sich selbst bei enorm hohem Lärmpegel (neben Maschinen oder auf Schießständen) problemlos und in völlig normaler Lautstärke zu unterhalten.
Dadurch, dass jede Kapsel über eine eigene Mikrofon-Lautsprecher-Kombi verfügt ist auch das räumliche Hören, also die Lokalisierung von Geräuschen, fast uneingeschränkt möglich.

Je nach Güteklasse der einzelnen Komponenten funktioniert das zwar prinzipiell immer gleich, jedoch mit teilweise himmelweiten Qualitätsunterschieden und Funktionsmerkmalen.
Günstige Geräte schließen bei einer Überschreitung des Lautstärke-Schwellwertes einfach den Kanal, so dass man gar nichts mehr hört, solange der Lärmpegel anhält. Bei den teureren Modellen findet eine dynamische Regelung statt, so dass beides (also die Dämpfung und die Umgebungsgeräusche) gleichzeitig wirken können.
Oft ist die Elektronik sogar zu einer Verstärkung in der Lage, was bedeutet, dass man die Lautstärke der Umgebungsgeräusche so weit erhöhen kann, dass man sogar mehr wahrnimmt als ohne das Gerät. Dennoch bleibt die Schutzfunktion aber vollständig erhalten.

Im Vergleich zu den zivilen Systemen, die bereits ab rund 50 Euro erhältlich sind, werden die militärischen Modelle sehr viel robuster, sowie staub- und wassergeschützt gebaut. Zusätzlich sind die beim Militär verwendeten Geräte meist noch mit einem Schwanenhalsmikrofon und einem Anschlusskabel ausgestattet, welches zusätzlich noch zusätzlich die Verwendung von Funkgeräten ermöglicht.
So auch meine Beiden, die wir uns nun mal näher anschauen wollen.
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Typenschilder

Detailblicke

Sowohl Peltor als auch Sordin sind übrigens ursprünglich schwedische Unternehmen, allerdings aufgekauft von riesigen US-amerikanischen Konzernen.
Peltor gehört zur 3M Gruppe und Sordin ist Teil von MSA - beides große, weltweit agierende Hersteller unter anderem von Arbeitsschutzmitteln wie Schutzbrillen, Helmen, Gasmasken, Gehörschutz und vielem mehr.

Beide Headsets sind nach zahlreichen Industrie- und Militärnormen spezifiziert, unter anderem die vermutlich halbwegs bekannte Schutzart IP67 (bei einigen neuen Smartphones wird mit dieser Schutzart geworben). Diese besagt, dass das Gerät dauerhaft staubdicht und gegen zeitweiliges Untertauchen in Wasser geschützt ist. Eine Robustheit, die für den militärischen Gebrauch unerlässlich ist und einem als Privatnutzer das gute Gefühl gibt, dass die Teile ordentlich was einstecken können ohne gleich den Geist aufzugeben.
Die Verarbeitung ist bei beiden Geräten absolut erstklassig, robust und äußerst wertig. Dies kann man in dieser Preisklasse auch erwarten, ist letztlich jedoch den hohen Anforderungen der Militärs geschuldet.

Die schmale Bauweise zeichnet ebenfalls beide Modelle aus. Dies hat den Hintergrund, dass es komfortabel möglich sein soll das jeweilige Headset unter einem Gefechtshelm zu tragen.
Dies zeigt sich sowohl bei den Kapseln, als auch beim Kopfbügel.
MSA spendiert im Lieferumfang einen Überzug für den Kopfbügel in Woodland-Tarnmuster. Diesen kann man bei der Verwendung mit einem Helm einfach abnehmen, da dieser nur mit Klett befestigt ist. Peltor hat einen sehr dünnen Kopfbügel aus Leder mit einer Stahlspange im Inneren.
Dafür tragen die Kapseln des Peltor mit 52mm etwas dicker auf, als die des Sordin (ca. 40mm). Gemessen habe ich jeweils an der breitesten Stelle der Kapsel, ohne die Polsterung einzudrücken.
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links MSA Sordin, rechts Peltor ComTac

Auffälligster Unterschied zwischen den Bauweisen ist, neben dem Kopfbügel, die Anbringung der Mikrofone. Peltor hat das Mikrofon an einem Fortsatz des vorderen Stahlbügels, welcher die Kapsel festhält, montiert.
Das Mikro kann also bei Peltor sowohl an der rechten als auch an der linken Kapsel angebracht, oder einfach ganz abgenommen werden.
Beim Sordin ist das Mikro fest an der linken Kapsel montiert und nicht abnehmbar.
Das gibt einen dicken Ergonomie-Pluspunkt für das ComTac.

Wie übrigens für militärische Zwecke üblich, sind die Headsets mit einem dynamischen Mikrofon ausgestattet. Ohne zu weit in technischen Details zu versinken zu wollen bedeutet dies, dass diese nicht ohne weiteres mit freien, zivilen Funkgeräten ala Kenwood, Alan Midland oder Motorola betrieben werden können.
Während beim Sordin der Mikrofonkopf einfach aufgeschraubt und ein anderes (Elektret-) Mikrofon verlötet werden kann, wird das beim ComTac schon schwieriger, da der gesamte Mikrofonarm verklebt ist.

Beide werden mit 2 handelsüblichen AAA Batterien betrieben, wobei Peltor eine Batterie pro Kapsel aufnimmt (unter dem schwarzen Deckel), während das MSA beide Batterien in einem Fach mit Schraubverschluss in der rechten Kapsel unterbringt. Da beide Batterien durch die selbe Öffnung eingeschoben werden und die erste zunächst einmal in Position rutschen muss, bevor die zweite nachgeschoben werden kann, ist der Tausch der Stromspender beim Sordin etwas fummeliger als bei Peltor. Bei letzterem müssen einfach nur die beiden Deckel auf der linken und rechten Kapsel geöffnet werden.
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Batteriefach beim Peltor
Die Laufzeiten sind von den Herstellern laut Bedienungsanleitungen wie folgt angegeben:
MSA Sordin: ca. 600 Stunden
Peltor ComTac: ca. 500 Stunden
Natürlich ist dies abhängig von der Güte der verwendeten Batterien sowie zahlreichen weiteren Faktoren wie der Temperatur und so weiter. Letztlich schaffen es beide ziemlich lange, wenn man bedenkt, dass selbst der schlechtere Wert des Peltor bedeutet, dass das Geräte fast 21 Tage durchgehend eingeschaltet und in Benutzung sein kann.
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Batteriefach beim Sordin

Das Gewicht ist fast identisch. Das Comtac wiegt mit eingesetzten Batterien 416 Gramm, während MSA knapp 424 Gramm auf die Waage bringt (eigene Messung).
Beim Tragen spürt man zumindest gewichtstechnisch keinen Unterschied, jedoch hat das Peltor ComTac 3 ab Werk bereits Gelkissen verbaut. Diese erhöhen den Tragekomfort immens und dichten zudem besser ab, was grade für Brillenträger ein entscheidendes Kriterium sein kann.
Dazu sei allerdings gesagt: Das ComTac 3 ist die jüngste Generation, wobei das Sordin schon ein etwas älteres Modell ist. Gelkissen sind fürs MSA im Zubehörhandel für knapp 40 Euro ebenfalls erhältlich und sind meiner Meinung nach in jedem Fall eine lohnende Investition.
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links das Gelkissen von Peltor, rechts das Schaumstoffkissen vom Sordin
Übrigens kann man bei beiden Headsets gleichermaßen die Kissen, als auch den darunter liegenden Schaumstoff zur Reinigung oder Austausch sehr einfach abnehmen.
Hierzu muss man mit dem Finger unter den inneren Rand des Kissens und einmal kräftig ziehen.
Hat man Kissen und Schaumstoffeinlage entfernt, bekommt man einen Blick auf die in der Kapsel befindliche Elektronik.
Auf den folgenden Bildern ist gut zu sehen, dass MSA für Funk und Umgebungsgeräusche 2 getrennte Lautsprecher pro Kapsel verbaut hat. Peltor gibt beide Quellen über einen Lautsprecher wieder.
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links MSA Sordin, rechts Peltor ComTac

Ein weiterer wichtiger Aspekt bei einem Gehörschutz ist natürlich die Frage, wie gut dieser denn eigentlich das Gehör schützt.
Diese Frage beantworte ich zunächst mal mit nüchternen technischen Daten der Dämpfung, abgeschrieben aus den jeweiligen Bedienungsanleitungen:
MSA Sordin
  • Höhen: 30dB
    Mitten: 22dB
    Tiefen: 14dB
    Mittelwert: 25dB
Peltor ComTac
  • Höhen: 31dB
    Mitten: 25dB
    Tiefen: 16dB
    Mittelwert: 28dB
Was heißt das?
3 Dezibel mehr Dämpfung beim ComTac mag sich nicht viel anhören. Tatsächlich jedoch muss man hier berücksichtigen, dass eine Veränderung von 10 Dezibel eine Verdopplung oder Halbierung der Lautstärke darstellt.
Das heißt im Klartext: 60 Dezibel werden doppelt so laut wahrgenommen wie 50 dB.

In der Praxis ist der Unterschied von 3 Dezibel von Sordin zu ComTac deutlich zu spüren.
Ich habe das auf dem Schießstand getestet und dabei kam mir das Sordin spürbar lauter vor.
Achtung, jetzt wirds sehr subjektiv:
Auf sehr kurze Distanz (~5 Meter) wo die Lautstärke am größten ist, empfand ich mit dem MSA selbst meine 9mm Pistole als grenzwertig laut. Größere Kaliber wie eine .357 Magnum oder gar eine Kaliber 12 Schrotflinte habe ich bereits als schmerzhaft laut empfunden. Mit dem Peltor hatte ich auf die selbe Distanz mit den selben Waffen keinerlei Probleme.

Bei den Bedienelementen unterscheiden sich die Headsets ebenfalls gerinfügig.
Das Sordin besitzt 3 Bedienknöpfe auf der linken Kapsel. Diese dienen den Funktionen "lauter" "EIN/AUS" und "leiser".
Soweit selbsterklärend. Ein kurzer Tastendruck auf die mittlere Taste schaltet das Gerät nach etwa 2 Sekunden ein. Die Pfeiltaste nach vorne macht lauter, die nach hinten leiser. Insgesamt gibt es 5 Lautstärkestufen. Das Gerät signalisiert jeden Tastendruck mit einem Ton und gibt einen anderen Ton wieder, wenn man am oberen oder unteren Anschlag ist.
Zudem meldet sich das Headset während des Betriebes ebenfalls mit wiederkehrenden Signaltönen, wenn den Batterien der Saft ausgeht.

Das ComTac bietet hier schon etwas mehr für's Geld. Grundsätzlich gibt es nur 2 Knöpfe, die ebenfalls an der linken Kapsel angebracht sind. Um das Gerät ein- oder auszuschalten, drückt man einen der beiden für 3 Sekunden.
Nachdem das Headset eingeschaltet wurde, kann man ebenfalls mit dem vorderen Knopf lauter und mit dem hinteren leiser stellen.
Zusätzlich hat Peltor der Elektronik aber noch ein paar Gimmicks spendiert. So kann der Benutzer je nach Anwendungsfeld verschiedene Profile auswählen, die entweder die Umgebungsgeräusche einen eingehenden Funkspruch überlagern lassen oder umgekehrt. Standardmäßig ist beides gleich gewichtet. Des weiteren gibt es eine Equalizer-Funktion mit der man verschiedene Klangprofile anwählen kann um den Klang zu verbessern.
Diese zusätzlichen Funktionen können mit unterschiedlichen Druckkombinationen auf die beiden Knöpfe aktiviert und eingestellt werden.
Natürlich signalisiert Peltor ebenfalls dem Benutzer rechtzeitig, wenn die Batterien zur Neige gehen.

Weil wir grade bei der Funktion sind: einen Pluspunkt gibt es für Sordin aber auch!
Die Klangqualität der Umgebungsgeräusche gibt die Elektronik des Sordin feiner und authentischer ans Ohr. Peltor klingt im Vergleich etwas hallend und blechern, was sich grade bei Gesprächen und der Wahrnehmung der eigenen Stimme bemerkbar macht.
Das kann Sordin spürbar besser.

Beide Headsets sind (in meinem Fall) mit dem NATO-Stecker ausgestattet und somit mit einer Vielzahl angebotener PTT's.
Kleiner Hinweis am Rande: Die günstigen China-PTT's von Z-Tactical (o.ä.) sind zwar von der Buchse her passend, müssen im Inneren aber umgelötet werden, da die Belegung von der NATO-Variante abweicht. Google hilft hier bei Interesse wunderbar weiter.
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Beide NATO-Anschlussstecker

Fazit
Welches ist also besser? Schwer zu sagen - sehr schwer. Viele schwören auf MSA aufgrund der besseren Tonqualität und des allgemein schmaleren Systems.
Peltor ist etwas teurer, bietet aber dafür mehr Funktionen.
Mir persönlich passt das Peltor besser, jedoch führe ich dies auf die Gelpads zurück, welche beim Sordin ganz einfach nachrüstbar sind.
Ich vergebe hier mal kein eindeutiges Urteil... beide Geräte sind nach Militärstandards sehr hochwertig und erfüllen ihren Zweck mit Bravur.
Welches besser passt, dass muss vermutlich wie bei einem Paar Schuhe jeder selbst für sich entscheiden.

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Vielen Dank an Anne für den Styropor-Kopf :zwinker:

Dieser Test wurde so objektiv wie möglich verfasst, dennoch spiegeln einzelne Aussagen die Meinung des Verfassers wieder.

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