Heute im Test: Die Thunder Stun Trainingsgranate
Seit einiger Zeit ist die Soundflash Trainingsgranate in Deutschland erhältlich. Freundlicherweise hat Stormtec uns nun einige Hüllen zum Testen zur Verfügung gestellt. Sie ist dort unter dem Namen
Thunder Stun Grenade erhältlich.
Zu einem Preis von 49,90€ erhält man den Zündkörper, zwei MK II Hüllen (auch „pineapple“ genannt), eine Stun-Hülle (oder Flashbang-Form) sowie drei 12g CO² Kapseln.
Ein Pack mit jeweils drei Ersatzhüllen kostet 14,90€.
Bisherige CO² Granaten hatten praktisch alle das Problem, dass sie konstruktionsbedingt ihre Bestandteile gerne mal in der Gegend verteilen und wichtige Teile auch gerne abbrechen. Und wenn wir ehrlich sind, dann waren sie bisher auch keinen echten Test wert, da deren Leistungen einfach enttäuschend waren.
Bei der Thunder Stun ist man nun einen neuen Weg gegangen. Der zentrale Zündkörper besteht aus der Hammer-Schlagbolzeneinheit und dem Kapselhalter. Der Kapselhalter samt Aufnahme könnte so auch in jeder beliebigen RAM Pistole sitzen. Die Hammer-Schlagbolzeneinheit ist fest mit dem Abzugsbügel verbunden und macht einen vertrauenserweckend stabilen Eindruck.

Bild 1 – Die zentrale Zündeinheit in ungespanntem Zustand
Der Weg zum KnallDas Funktionsprinzip ist überraschend simpel: die zentrale Zündeinheit wird in eine Hülle eingeschraubt, anschließend der Sicherungssplint gezogen und sobald der Abzugsbügel losgelassen wird, schlägt der Hammer auf den Schlagbolzen und sticht die Kapsel an. Das ausströmende CO² bläht nun die Hülle bis zum Platzen auf.
Der dabei erzeugte Knall erreicht laut Produktbeschreibung 120dB, doch dazu später noch mehr.
Durch die Konstruktion muss man nun nicht mühselig nach Einzelteilen suchen, sondern hebt die komplette Einheit einfach auf. Der Hüllenkörper wird durch die Benutzung zerstört und kann definitiv nicht wiederverwendet werden. Für eine erneute Benutzung schraubt man die zentrale Zündeinheit nun aus der alten Hülle, ersetzt die leere CO² Kapsel durch eine Neue, spannt den Hahn neu und schraubt das Ganze in eine neue Hülle. Dies kann mit wenigen Handgriffen erledigt werden, wie die folgende Bildserie zeigt:

Bild 2 – Der gespannte Hahn wird durch den Splint gesichert.

Bild 3 – Der gespannte Hahn noch einmal im Detail. Durch das linke der beiden markierten Löcher wird der Sicherungssplint geschoben, wenn der Abzugsbügel aufgesetzt ist und sichert so vor unbeabsichtigtem Auslösen.

Bild 4 – Hier ist gut zu erkennen wie der Hahn durch den Abzugsbügel gehalten wird. Der wiederum wird durch den Sicherungssplint an einem unbeabsichtigten Auslösen gehindert. Unterhalb des Splints ist der Schlagbolzenrücken zu erkennen. Dieser drückt den Hohldorn in die CO² Kapsel.

Bild 5 – So ist die zentrale Zündeinheit fertig für den nächsten Einsatz. Um Missgeschicken vorzubeugen sollte die neue Kapsel erst dann eingeschraubt werden, wenn der Abzugsbügel wie hier zu sehen mit dem Splint gesichert ist.
Die Hüllen entsprechen in ihren Dimensionen in etwa ihren echten Vorbildern. Da die Zündeinheit mit Stun-Hülle vom Aussehen her an das einer Flashbang angelehnt ist, wirkt sie auf der MK II Hülle etwas überdimensioniert.
Soweit zur grauen Theorie. Jetzt geht es ans EingemachteWir haben drei verschiedene Füllungen jeweils mit einer MK II und einer Stun-Hülle getestet. Warum unbedingt Füllungen, wo die doch ausdrücklich nicht für Füllungen gedacht sind? Ein Knall ist ja ganz schön, aber wir wollen die anderen Spieler markieren, wenn man sie also befüllen kann, dann tun wir das auch. Also haben wir folgende Füllungen zum Einsatz gebracht:
1. P. Balls
2. ein Gemisch aus Fingerfarbe und Wasser sowie
3. Babypuder
P. BallsDie MK II haben wir mit 25 Bällen gefüllt, die Stun mit 50. Es klappert ein wenig, aber so bekommen die auch mal ein wenig mehr Gewicht. Zum Einsatz brachten wir diese in einem großen Kellerraum. Mit geschätzten 80m³ Rauminhalt, zwei zu angrenzenden Räumen führende Türen blieben offen.
Die MK II platzte nach 2,4 Sekunden mit einem lauten Knall. Lauter übrigens als alle bisherigen Modelle. Die P. Balls wurden leider nicht so gut verteilt, wie wir gehofft hatten. Durch den relativ kleinen Riss wurden nur wenige Bälle ausgeworfen, und die auch nur in geplatzter Form. Es sei noch einmal darauf hingewiesen, dass diese Granate nicht zum Befüllen vorgesehen ist.
Das war schon ganz nett, aber noch nicht der Hammer.
Zweiter Versuch also mit der Stun-Hülle. Sie platzte etwas langsamer auf als die MK II. Nach 3,7 Sekunden zerriss die Hülle mit einem die Ohren betäubenden Knall. Mal ehrlich: Testberichte sollen objektiv sein. Das geht an dieser Stelle aber nicht:
Das Teil rockt die Bude! Bei drei Mann ging die Druckwelle durch den Bauch und ohne Umweg bis unter die Schädeldecke. Es klingelte uns in den Ohren und jeder hatte ein breites Grinsen ins Gesicht getackert!Bis auf eine kleine Hand voll wurden die Bälle als Staubwolke oder im Ganzen im Raum verteilt. Die Hülle wurde über die komplette Länge aufgerissen und auch der Hüllenboden war zur Hälfte abgerissen. Dadurch konnten die Bälle überhaupt so gut verteilt werden. Zur Verdeutlichung. Obwohl diese Granate nicht zum Befüllen gemacht ist erreicht man in dieser Kombination eine beachtliche Markierungswirkung. Es hätte nicht jeden in diesem Raum erwischt, aber allein der Knall hätte bereits für ausreichend Verwirrung gesorgt, um mit dem Markierer in der Hand einen gewaltigen Vorteil zu haben.

Bild 6 – Das Foto täuscht ein wenig. Die Nähte der Stunhülle wurden auf 50% der Länge aufgerissen.
Die Wirkung innerhalb von Gebäuden konnte uns also nicht nur überzeugen, sondern sogar begeistern. Daher haben wir die weiteren Tests nach draußen verlegt.
2. Wasser-FarbgemischWir rührten blaue Fingerfarbe mit Wasser an und befüllten damit zwei Hüllen. Bereits nach etwas über einer Sekunde demonstrierte die MK II mit einem lauten Knall, dass sie auch draußen grundsätzlich überzeugen kann mit ihrer Leistung. Die Markierungsleistung war besser als mit den P. Balls, fiel aber durch den kleinen Riss wieder in die Kategorie „Naja“. Noch einmal:
Diese Granate ist nicht zum Befüllen gedacht, sie soll „nur“ einen lauten Knall machen. Und das tut sie sehr gut.
Dreieinhalb Sekunden nach dem „Pling“ stellte die Stun-Hülle unmissverständlich klar, dass sie derzeit das Non-Plus-Ultra unter den CO² getriebenen Granaten darstellt. Sie ist nicht so laut wie mancher Pyrotechniksatz, aber im Vergleich mit ihr wirken die bisherigen CO² Granaten eher wie überlagerte Knallerbsen.
Auch im zweiten Anlauf riss die Hülle wieder beeindruckend weit auf und verteilte das Gemisch in ausreichendem Maße.

Bild 7 – Beide Hüllen nach dem Einsatz mit dem Wasser-Farbgemisch.
3. BabypuderBabypuder zeichnet sich dadurch aus, dass es besonders feine Partikel hat. Theoretisch kann man auch Talkum aus dem Sportbereich einsetzen, aber das stand uns gerade nicht zur Verfügung. Babypuder ist im Wesentlichen übrigens parfümiertes und mit Duftölen versetztes Talkum.
Beide Hüllen haben wir jeweils ca. bis zur Hälfte mit dem weißen Puder befüllt. In beiden Fällen hat es funktioniert. Das in die Hülle strömende CO² hat das Medium gut aufgewühlt und dementsprechend verteilt.
Etwa drei Sekunden dauerte es bis zum gewohnt lauten Knall in Verbindung mit einer kleinen Puderwolke. Markierungswirkung ist vorhanden. Der Knall sehr gut.
Eine solide Leistung seitens der MK II Hülle bestätigt, dass sie zur Premiumklasse gehört.
Die Stun-Hülle ist aber besser und beeindruckt wieder einmal mit dem lautesten Knall der Klasse und in diesem Fall mit einer Wolke aus Babypuder, die sich gewaschen hat. Hätten wir diese Kombination im Kellerraum gezündet, dann hätten wir garantiert nichts mehr gesehen.

Bild 8 – So stellt sich der Klassenprimus nach dem Einsatz mit dem Babypuder dar. Auf diesem Bild ist auch sehr gut zu erkennen wie weit die Stun-Hülle aufgerissen wird.
Lauter Knall – Richtig lauter KnallWieso ist die Stun so viel lauter als die MK II? Diese Frage haben wir uns auch gestellt und dazu Überlegungen angestellt. Liegt es vielleicht an der Form? Eine gute Frage die wir nicht beantworten können. Ein möglicher Erklärungsansatz ist die Wandstärke der Hüllen. Die MK II bringt es auf 0,7mm, die Stun auf knapp 1mm. Dies könnte einen höheren Berstdruck ergeben. Dies in Verbindung mit dem deutlich weiteren Aufplatzen der Hülle könnte für die Hammerleistung verantwortlich sein.
Es zeigte sich ein deutlicher Leistungsunterschied zwischen den beiden Hüllenarten. Die MK II erfüllt das Leistungssoll in dem sie einen lauten Knall erzeugt. Kritikpunkte bleiben die variable Zeit zwischen Zünden und Hüllenriss und der relativ hohe Betriebspreis.
Die Stun-Hülle spielt in einer eigenen Leistungsklasse. Auch hier ist der Betriebspreis relativ hoch. Eine Hülle schlägt mit immerhin fünf Euro zu buche. Plus eine 12g Kapsel und eventuell dem, was man einfüllen möchte. Babypuder ist eine echte Empfehlung (DM Hausmarke. Fragt eure Freundin wo es das gibt

).
Weiterhin positiv fällt die stabile Berstzeit ins Auge. Wir haben die Zeitverzögerung nicht angetastet, obwohl es laut Hersteller möglich ist, die Zeit zuverlässig einzustellen. Trotz verschiedener Füllstände und –Mittel platzte die Hülle bei jedem Versuch nach ca. dreieinhalb Sekunden.
Theoretisch könnte man dadurch mit dieser CO² Granate ein sogenanntes „cook off“ durchführen.
FazitDiese Granate ist relativ teuer im Betrieb. Teurer jedenfalls als die meisten Anderen. Aber sie hat die Meßlatte für CO² Granaten genommen und mehrere Stufen hochgelegt.
Wir können also eine grundsätzliche Kaufempfehlung aussprechen, denn hier gibt es reichlich Knall fürs Geld.
Dieser Test wurde nicht unter Laborbedingungen erstellt. Der Test wurde so objektiv wie möglich durchgeführt. Dennoch enthalten einzelne Äußerungen die persönliche Meinung der Testenden. Diese wurden als solche kenntlich gemacht.
WARNUNG!
Die Granate zu befüllen oder Vorzuzünden widerspricht den Sicherheitsbestimmungen zu ihrer Handhabung und kann zu Verletzungen führen. Das erfolgt also auf eigene Gefahr!____________________________________________________
Thomas für realaction.de
Unter tatkräftiger Hilfe von Sven und Dennis
Hier können Fragen, Anregungen und Kritik an den Autor gerichtet und über den Testbericht diskutiert werden